Mexiko - Baja California
Zwischen Kakteen lernt Tomte das Laufen. In Begleitung von alten und neuen Freunden über die dünn besiedelte Halbinsel.
In und um San Diego herum legten wir eine Reisepause ein. Wir verbrachten die Zeit bei lieben Menschen, die wir auf unserer letzten Reise kennen gelernt hatten. Die Wiedersehensfreude war groß, vor Allem mit unserem iranischen Freund Behrouz, in dessen Gästezimmer wir gleich 3 Wochen verbracht haben. Während Amu (iranisch für Onkel) Behrouz täglich morgens zur Uni ging um seiner Arbeit als Mathematik Professor nachzugehen, organisierten wir unsere Weiterreise nach Mexiko, gingen mit Tomte auf den Spielplatz und kochten Abendessen wenn Amu sich auf den Heimweg machte. Mitte Dezember waren wir dann bereit für neue Abenteuer, eine neue Kultur, ein neues Land. Amu Behrouz brachte uns noch bis zur Grenze, wo wir uns schweren Herzens von ihm verabschiedeten. Wann wir ihn wohl wieder sehen? Meine Familie in Freiburg durfte ihn und seine Freundin Rushinak gleich wenige Tage später schon am Weihnachtsmorgen zum Frühstück willkommen heißen. Eine unerwartete Zusammenkunft die uns, trotz unserer Abwesenheit sehr gefreut hat.
Eine mexikanische Radlerin hat uns für einige Tage ihre Wohnung zur Verfügung gestellt und so hatten wir nach dem Grenzübertritt in Tijuana genügend Zeit, um erstmal anzukommen. Die Wohnung war auf einem Hügel gelegen und man konnte, wenn man zwei Straßen weiter ging, über die Häuserdächer hinweg zurück in die USA gucken. So nah und doch so fern, dachten wir in diesen Tagen häufig, und freuten uns über all die neuen Eindrücke, über die Musik in den Straßen, das überschaubare Sortiment der vielen kleinen Lebensmittelläden und den Geruch der Taco Stände in den Gassen. Tijuana, dreckig, stinkig und verstaubt, ist wirklich keine besonders schöne Stadt. Und trotzdem freuten wir uns wie verrückt, endlich in Mexiko zu sein.
Die Reiseroute führte uns über die dünn besiedelte Halbinsel Baja California weiter gen Süden. Nach ein paar Tagen entlang der Pazifikküste, hatten wir endlich den Großstadtlärm und den Verkehr hinter uns gelassen. Vor uns lagen hunderte Kilometer Wüste.
Geprägt von Kakteen, hoher Berglandschaft und traumhaften Stränden ist die Baja California wirklich ein ganz besonderes Fleckchen Erde. Wir staunten vor Allem über die artenreiche Vegetation, die man bei der geringen Niederschlagsmenge hierzulande wirklich als Lebenskünstler betrachten kann. Besonders im Valle de los Cirios (Das Tal der Kerzen) ragten gigantische Kakteen hoch in den Himmel.
Der Kardon Kaktus beispielsweise, kann eine Höhe von 20 Metern erreichen und ist eine der wichtigsten Pflanzen in den Wüstenregionen der Baja. Er dient als Nahrung und Schutz für eine Vielzahl von Tierarten. Inmitten dieser endlos weiten Wüstenlandschaft, fühlten auch wir uns irgendwie beschützt und behütet, wenn wir die Nacht neben einem der gigantischen, teils uralten Kardon Kakteen verbrachten.
Tag für Tag radelten, kochten, lagerten und spielten wir auf der Baja California umgeben von stacheligen Pflanzen. Wir zupften zahlreiche Stachel aus unseren Schuhsohlen, Isomatten und Fahrradreifen. Dabei hatte Tomte ja gerade laufen gelernt und wackelte wie ein Weltmeister zwischen all den Kakteen herum, plumpste auf seinen Popo und viel auf seine Händchen, jedoch blieb er wie durch ein Wunder in all den Wochen von sämtlichen Stacheln verschont.
Die Berge rauf, die Berge runter, fuhren wir meist auf der Mex 1, der einzigen asphaltierte Straße, die in den Süden der Halbinsel führte. Eng und ohne Seitenstreifen bot sie uns kaum Möglichkeiten auszuweichen. Zum Glück waren die mexikanischen Fahrer so umsichtig und zuvorkommend, wie wir es bisher kaum zuvor in einem anderen Land erlebt hatten.
Dabei sahen die Autos oft abenteuerlich aus. Mit zerbrochener Windschutzscheibe, fehlenden Karosserieteilen und kaputten Scheinwerfern hätte man meinen können, sie wären gerade einem Kartellkrieg entkommen. Wenn sie dann aber näher kamen, guckten freundlich – entspannte MexikanerInnen heraus, die Tomte verliebt zu winkten, während fröhliche Musik laut und übersteuert aus den Boxen tönte.
Große Teile der Baja fuhren wir in Begleitung von Heike aus Minden, mit der wir zuvor schon gemeinsam unterwegs waren, Felix aus Hannover, dem wir zufällig kurz vor Weihnachten begegnet sind und für ein paar Tage sogar mit einer anderen kleinen Familie aus Litauen. Unsere kleine Reisegesellschaft hatte sich für den Jahreswechsel einen ganz besonderen Ort ausgesucht. Vor einem Militärcheckpoint bogen wir rechts ab, passierten das Gelände einer einfachen, rudimentär geführten Ranch und rollten mehrere Kilometer über holpriges Gestein und tiefen Sand zu einer kleinen Palmenoase. Nachdem wir unser Lager errichtet hatten, spazierten wir zum nahe gelegenen Strand, der sich als wahre Schatztruhe entpuppte. Eigentlich wollten wir nur Treibholz für unser Lagerfeuer sammeln. Zurück kamen wir mit den schönsten und größten Muscheln, die dort zahlreich zu finden waren. Wir fühlten uns an diesem letzten Tag im Jahr 2024 wie auf einer einsamen Insel. Weit und breit kein Menschenseele.
Mittlerweile sind wir am südlichsten Zipfel der Halbinsel angekommen. Hier ist es vor allem die Wasserwelt, die uns begeistert. Wir sehen Pelikane wie sie aus dem Flug ins Wasser stürzen und anschließend ihre Beute verschlingen, Rochen die fröhlich flatternd aus dem Wasser springen und Wale, die unweit des Ufers aus dem Wasser tauchen. Ein einziges Naturspektakel.